Hin und her im Alpenraum

Oktober 2001 Süddeutschland Österreich
Kreuz- und Querfahrt: Singen - Offenburg - Freiburg - Seebrugg - Bonndorf - Donaueschingen - Horb a.N. (Gasthof Greifen mit Balkanspezialitäten und
Handballjugend nach dem Training) - Stuttgart - Ulm - Mittenwald - Seefeld. Das Restaurant im Ferienhotel Kaltschmid ist fast leer. An einem Nebentisch unterhalten sich drei Leute lautstark darüber, wie sie die frischgepresste CD ihrer neuen volkstümlichen Sängerhoffnung unters Volk zu bringen gedenken. Als erstes müssen die Kellner und ich daran glauben. Der Testlauf macht keinen Eindruck, aber das merken die gar nicht.
24.10. Seefeld - Heiligenblut
Innsbruck - Brenner - Franzensfeste - San Candido. Der Bahnhof von Innichen hat nichts von einem Grenzbahnhof - außer: Zweisprachig kommt aus dem Lautsprecher die Ansage des Zugs nach Lienz/Tirol. Nur: Ich sehe keinen. Hör wieder mal nicht richtig hin. Bis ich geschnallt habe, dass hier von einem Gleis 5a die Rede ist - einem Nebengleis um die Ecke -, kann ich den Rücklichtern nur noch nachwinken. Aber halb so schlimm. Zwei Stunden später fährt der nächste, und in Lienz gibt es auch noch eine Busverbindung Richtung Großglockner. Allerdings mit Risiko, zurück geht an diesem Abend nichts mehr. Und tatsächlich: Heiligenblut, das Feriendorf mit Legendenstatus, ist wie ausgestorben. Nach der Saison ist vor der Saison. In einer Pension brennt noch Licht, eine Imbissbude betreut noch zwei, drei Leute - das reicht.
25./26.10. Heiligenblut - Villach - Admont
Ankunft in Villach. Der Zug nach Italien ist seit fünf Minuten weg. Der nächste annehmbare (außer Nachtzug) fährt am nächsten Tag (Sonntag) um dieselbe Zeit. Die Fahrt nach Arnoldstein, zur letzten Station vor der Grenze, bringt auch nicht weiter. Also zurück, übernachten im Hotel Mosser, und Richtungswechsel. Admont liegt etwa 20 Kilometer südöstlich der Bergstation, wo vor zwölf Jahren mein Spaziergang von Slowenien nordwärts endete. Viel Sonntag, viel berühmtes Kloster, viel österreichische Gastlichkeit, viel Warten auf einen Zug, der an dieser Hauptstrecke Wien-Venedig hält. Aber am Montag geht`s dann zurück, über Innsbruck, übernachten im Hotel Zach, streckenweise unterhalten vom Geplauder eines pensionierten Beamten, der die korrekte Aussprache von Villach erklärt (Sie sag`n ja auch net Willa!).
Januar 2005 Frankreich - Italien - Schweiz
5.1. Avignon - Chambery
Avignon - eine Stadt für jede Jahreszeit. Im Juni hatte das Zimmer im "Bristol" 90 Euro gekostet, jetzt im Januar ist es für 49 Euro zu haben. Jetzt ist auch viel mehr Muse, um mit ein paar wenigen Wintertouristen den imposanten Palais des Papes zu besichtigen.
Avignon, Terrasse Roches des Domes
Saisonal unabhängig hingegen die Inszenierung an der Fußgängerampel zwischen Cours Jean Jaurès und Bahnhofsvorplatz. In einer Endlosschleife Tag und Nacht derselbe "Klingelton" mit der gekünstelten Frauenstimme, die zum Stehenbleiben mahnt und Losgehen aufmuntert. Ob sie da inzwischen mal ne neue Platte aufgelegt haben? Diese Bahnreise schräg durch die West- und Zentralalpen bringt noch mehr Wiederholungen. Im "Art Hotel" in Chambery habe ich drei Jahre zuvor schon mal übernachtet, Endstation einer kleinen Savoyen-Wanderung (marche, eh! - Zweigeteilt und dazwischen). Die haben den Zimmerpreis übrigens in der Zeit um schlappe 3,50 Euro erhöht.
6.1. Chambery - Avigliana
Der Übergang durch den Tunnel du Frejus nach Italien, den wir 2002 mit den Rädern per Schienenersatzverkehr genommen haben, erscheint mir nach Studium der Zugverbindungen zu unsicher, also plane ich, es irgendwie über Genf zu versuchen. Aber jetzt erweist sich diese Route als kompliziert. Da schleiche ich mit dem Bus nach Annecy, kehre um nach Aix-les-Bains und finde mich schließlich auf dem kleinen Knotenbahnhof von Culoz (Genf - Lyon - Grenoble) wieder. Dort werfe ich ganz schnell meinen Plan über den Haufen, denn gleich fährt ein Zug in die andere Richtung, nach Modane, dem französischen Grenzort am Frejus-Tunnel. Fahrkarte kaufen, einsteigen - Risiko, keine Ahnung, wie es von dort weitergeht. Wieder mal Glück gehabt: Es gibt eine Pendler-Verbindung rüber nach Bardonecchia, von dort geht`s runter nach Avigliana, wenige Kilometer vor Turin, und das "Hotel Sport", 2002 Radler-Station, steht auch noch. Zimmerpreiserhöhung in zweieinhalb Jahren: 4 Euro. Schließlich: Was wählt der Reisende, der nach so einem turbulenten Tag kein Risiko mehr eingehen will, wie überall in Europa statt typischer Landeskost? Chinesisch am besten, im Ristorante Chong Qing.
7.1. Avigliana - Andermatt
Genug der Wiederholungen, heute gibt es was Neues - Übernachten am Gotthard. Also löse ich am Abend eine Fahrkarte von Bellinzona nach Göschenen. Doch leider liegt der Ort mit dem bekannten Namen wie ausgestorben im Dunkeln. Das Wirtshaus in der Dorfmitte ist geschlossen. "Die haben aufgegeben, zu wenig Gäste", zuckt eine alte Frau die Schultern. Dann halt zurück und mit der Bergbahn nach Andermatt. Dort hat sich die Wintersportgemeinde ins Hotel Badus und die anderen Unterkünfte verkrochen. Viel zu lachen hat sie nicht, das zeigt sich am nächsten Tag entlang der Glacier-Express-Strecke nach Graubünden. Sehr wenig Schnee hat`s da oben für die Jahreszeit. Über Chur fahr ich schnell nach Hause.
REIN DA CURNERA
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