échec

Juli 1987  Lothringen  Luxemburg  Saarland  Elsass

Vater und Sohn auf der ersten gemeinsamen Radtour. Der  Plan:  im Viereck durch vier Länder - von Lothringen nordwärts, von der Südspitze Belgiens durch Luxemburg nach Osten, durch den Zipfel westlich des Hunsrücks nach Süden und zurück zum Ausgangspunkt. Der Anlauf: Gut eine Woche vor dem Start schicken wir unsere Fahrräder als Reisegepäck voraus. Der Bahnhof von Pagny-sur-Meuse an der Strecke Nancy-Paris findet sich auch im Verzeichnis des Gepäckschalters. Am nächsten Tag gehe ich zu unserem Ein-Mann-Fahrkartenschalter und verlange ganz arglos: "Zweimal Pagny-sur-Meuse einfach." -  "Gibt`s nicht", kommt es wie aus der Pistole geschossen vom Mann alter Schalterbeamtenschule zurück.  Schließlich lässt er sich aber doch davon überzeugen, in seinen Kladden nachzusehen und festzustellen: Wohin die Bahn Fahrräder als Gepäckstücke befördern kann, kann sie auch Personen als Reisende befördern.

12.-14.7. Toul - Pagny-sur-Meuse - Etain - Habay
Aber nicht an einem Tag. Bei der Anreise müssen wir zwei längere Aufenthalte in Offenburg und Straßburg einlegen und eine Übernachtung in Toul mit seinen Festungsanlagen und Kriegsdenkmälern zwischen Bahnhof und dem Durcheinander von Rhein-Marne-Kanälen und Moselle. Erst mit dem Bummelzug kommen wir am nächsten Morgen hinüber ins andere Flussrevier, zur Meuse. Jetzt kommt der spannende Moment: Sind die Räder da? Sie sind. Wir können aufsatteln und losfahren. Die Tour wird allerdings unter ungleichen Voraussetzungen verlaufen. Nicht nur, weil Daniel mit 13 noch nicht die Power hat (der Unterschied wird sich in den nächsten Jahren schnell ausgleichen und ins Gegenteil verkehren), er muss das Ganze auch noch mit einem kleineren Rad (Ergänzung: 24 Zoll, von Neckermann, D.) schaffen. Umso toller ist seine Leistung. Gleich hinterm Bahnhof steigen wir eine Etage höher. Ein paar Kilometer weiter kann ich auch gleich wieder absteigen. Mit einem Knall reißt es ein Loch in meinen Vorderreifen. Der Mantel ist schnell gewechselt, und den Rest der 85 Kilometer absolvieren wir ebenso problemlos wie die 76 Kilometer am nächsten Tag.  Die Landschaft gibt sich bescheiden, vom ersten Übernachtungsort Etain bleibt mir gar nichts in Erinnerung. (Ergänzung von D.: Hotel beim Bahnhof - müsste das "De la Sirene" gewesen sein - es gab Tartar zum Abendessen, den zu vertilgen ich dankenswerter Weise übernommen habe)

Lorraine

Am zweiten Tag machen wir Picknick neben einem Sportplatz unweit der französisch-belgischen Grenze. Obwohl alles noch nicht so europäisiert ist, kriegen wir vom Grenzübertritt nichts mit. Nur die ständig wechselnden Währungen stellen eine logistische Herausforderung dar. Bei Habay am Rande der belgischen Ardennen übernachten wir in einem einfachen Gasthaus an einer Landstraßenkreuzung der einfachen Kategorie.

15.-16.7. Habay - Wasserbillig - Bouzonville
Quer durch Luxemburg nördlich an der Hauptstadt vorbei (Ergänzung: vorbei an den Sendemasten von Radio Luxemburg in Junglinster, D.) bis Wasserbillig an der anderen Grenze: Das gibt mit 99 Kilometern die längste Etappe dieser Tour. Im Restaurant und Béierkeller "La Frégate" an der Esplanade de la Moselle lassen wir es uns mit Blick hinüber zum deutschen Moselufer gut gehen, und lassen sie uns die Rechnung mit DM bezahlen.

RESTAURANT LA FREGATE

Restaurant

Phone : 74 87 27
Fax number : 74 87 27
7, Esplanade de la Moselle
L-6637 WASSERBILLIG



Closed days : Wednesday evening - Thursday

Cuisine : French

Convenience : Terrace

Eine Fähre bewahrt uns vor längerem Umweg. In Saarburg können wir den Geldtank auffüllen. Freudenburg an der "kleinen" Grenze zum Saarland liegt in Anbetracht der Mittagshitze etwas arg weit oben, um wirklich Freude zu machen. Nach der französischen Grenze wölben sich drohende Gewitterwolken vor uns auf, das geht ganz schnell, und wir legen auf der schmalen Landstraße einen furiosen Zwischenspurt ein, um beim lothringischen Dorf Halstroff gerade noch einen Unterstand zu erreichen. Bis Bouzonville mit Übernachtungsmöglichkeit ist es jetzt auch nicht mehr weit.

17.-18.7.  Bouzonville - Faulquemont - Saverne
Wir gönnen uns auf dem nicht gerade spektakulären Weg durch Lothringen eine Halbetappe und machen schon nach 40 Kilometern Halt in Faulquemont. Mag sein, der Wortstamm faul verführt uns, dabei heißt der Ort im zweisprachigen Teil der Lorraine Falkenberg. Irgendwann am nächsten Tag hätten wir eigentlich wieder nach Westen wenden sollen, aber jetzt reizt uns plötzlich der Gedanke, wir könnten ja weiter Richtung heimwärts radeln - mal seh`n, wie weit wir kommen. Dazu müssen wir erstmal  auf die andere Seite der Vogesen. Der Durchstich des Rhein-Marne-Kanals bei Lutzelbourg bietet sich geradezu an. In Saverne wartet ein gemütliches Hotel. Beim allabendlichen Telefonappell nach Hause aus einer Zelle lassen wir unser Schachspiel liegen und finden es später beim Nachschauen nicht wieder. Am Nachbartisch im Restaurant verlustieren sich drei ältere Damen beim Scrabble, und wir schauen etwas neidisch rüber.

19.-21.7. Saverne - Marckolsheim - Zell
Am Fuße der Vogesen entlang fahren wir auf der Nationalstraße südwärts. Es ist Sonntag. In Obernai ist Volksfest mit Umzug und allem drum und dran. Auch die Läden sind offen, wir können ein neues "échec" kaufen. Auf der Weiterfahrt gibt es nochmal einen Platten. Regenschauer haben uns ein paar Pfützen am Straßenrand hinterlassen, um den geflickten Schlauch zu prüfen. In einem schön herausgeputzten Gasthof mitten in Marckolsheim steigen wir ab. Beim abendlichen Telefonrapport sprechen wir in diebischer Vorfreude auf die geplante Überraschung den Ortsnamen in frei erfundenem Französisch aus, um nicht zu verraten, dass wir näher kommen. Bei Breisach wechseln wir am Montag die Rheinseite. Für den Schwarzwald gibt es keinen Durchstich. Das Wiedener Eck (1035m) müssen wir schon überwinden, um vom Münstertal ins Wiesental zu kommen. Weil wir auf halber Höhe den Serpentinen ein abkürzendes Sträßchen vorziehen, wird der Anstieg arg steil. Dafür können wir es ab Schönau gemütlich  rollen und in der "Sonne" in Zell komfortabel ausklingen lassen. Wo wir sind, will die allzeit besorgte Mamá wissen. -  "Ach, irgendwo in der französischen Pampa." - "Komisch, das hört sich so nah an am Telefon!" Na ja. Die letzten beiden Mal auf den letzten knapp 60 Kilometern kehren wir zur Rast bei der Verwandtschaft ein, und ganz knapp vor der Zielankunft mit genussvollem Überraschungsauftritt (wo kommt denn Ihr auf einmal her?!) klettern wir schnell nochmal runter von den Rädern und zelebrieren die 700-Kilometer-Marke.

Wir kommen nicht weit    (August 1989  Lorraine)

5.-6.8. Luneville - Toul
.Zwei Jahre später starten wir eine weitere Tour in derselben Ecke Frankreichs (dazwischen liegt eine Tour 1988 ins Zentralmassiv). Diesmal habe ich einen weniger exotischen Bahnhof als Ausgangspunkt gefunden. In Luneville kommen wir schon am frühen Nachmittag an und machen uns gleich auf den Weg - zehn Kilometer nordwärts bis Einville-Au-Jard, von dort aus Richtung Westen, mit dem Atlantik als ehrgeizigem Ziel. Dummer- und leichtsinnigerweise habe ich mal wieder überhaupt nicht vorbereitet und erlebe gegen Abend eine böse Überraschung: Wir sind unterhalb von Nancy zum Tal der Moselle gelangt und haben eine beschauliche Naherholungszone mit Joggerwegen und rudertüchtigen Flussarmen vor uns. Da fährt mir der Krampf so heftig in beide Beine, dass ich kaum mehr vom Rad komme. Nur mit Mühe schaffen wir es bis Toul. Die 78 Kilometer für den ersten halben Tag waren mehr als ein Pfund zuviel.  Mit Mühe schaffe ich die schmale Treppe zum Hotelzimmer im Dachgeschoss, wo wir zwei winzige Einzelzimmer beziehen.
In der Nacht erwischt es Daniel. Er muss sich einen Virus eingefangen haben. Wir zögern, bevor wir losfahren, frühstücken in einer Bar gegenüber. Aber bevor wir aufgepackt haben, gibt er draußen auf der Straße alles wieder von sich. Wir brechen ab, traben zum Bahnhof. Zunächst müssen wir einen Zug nach St. Dizier nehmen. Langes Warten. Daniel döst auf einer Bank vor dem Bahnhof, die meiste Zeit auf der Rückfahrt schläft er. In Basel lassen wir uns abholen und nach Hause fahren.

 


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