Traum
21.12.07
"My dream is a treasure that I`ll always keep" (Fred Rose)
Du warst in einem Keller, die obere Raumhälfte über Straßenniveau, sowas wie ein Lager, wo Du gejobt hast. Ich schaute von draußen durch ein ebenerdiges Fenster hinab. An der Wand entlang unter dem Fenster vorbei eine lange Arbeitsplatte mit verschiedenem Zeugs drauf. Dahinter oder davor bist Du gesessen, ziemlich direkt unter mir und dem Fenster. Etwa einen Meter weiter rechts saß Dein Kollege oder Chef. Ein Typ, dessen Person ich festmachen konnte als relativ flüchtigen Bekannten, mir als eher gutmütig in Erinnerung. Du hast ganz normal und freundlich auf mich gewirkt. Ihr habt untereinander eine Art weiße runde Jetons verteilt und in kleine Pappschächtelchen abgelegt, als ob Ihr anschließend darum spielen wolltet. Worüber Ihr dabei geredet habt, konnte ich nicht recht verstehen. Nur war mir mal so, als ob es darum ginge, dass Du knapp bei Kasse bist. Ich empfand etwas wie Neid, ich wäre gern bei Euch unten gewesen.
Dann hast Du Dich in Deinem Stuhl zurückgelehnt und gestreckt, als ob Du noch etwas müde wärst. Du hattest ein ockerrotbraunes T-Shirt an, und als Du mit dem Stuhl ein Stück von der Tischplatte weggerollt bist, konnte ich Deine Jeans mit dem Gürtel sehen. Dein Gesicht war halb von den Haaren verdeckt.
Dann hast Du mich bemerkt. Ich wusste, es war zwischen Viertel vor und Zehn vor Eins, und ich habe keine Zeit. Dann habe ich Dich gefragt: Wann fangt Ihr wieder mit Arbeiten an, um Eins? Und Du hast gesagt. Nein um halb Zwei. Ich habe gefragt: Gehen wir einen Kaffee trinken? Du hast gesagt: Ja, das können wir machen, aber ich habe kein Geld. Da habe ich eine Art Glücksgefühl gespürt, wie einen kurzen Juchzer im Hals. Ich dachte, ich kann ihr etwas leihen, bis sie nächste Woche Geld bekommt, so 20 Euro vielleicht, und ich glaube, sie wird es annehmen.
Dann haben wir das Gebäude verlassen. Da war es der alte Westbahnhof in meinem Geburtsort. Ich dachte, ich weiß nicht, wo wir hier einen Kaffee bekommen sollen. Dann sind wir nach links abgebogen, auf ein Sträßchen. (Das war einmal mein Schulweg, als ich mit 12, 13 eine Zeitlang bei meiner Oma wohnte). Du bist an meiner linken Seite gegangen.
Dann habe ich meinen linken Arm um Deine Schulter gelegt. Du bist nicht
zusammengezuckt, und Du hast ihn nicht abgestreift, ich habe Dich aber auch nicht gespürt. Ich hatte ein Schluchzen im Hals, aber nicht in der Stimme, als ich gesagt hab:
"Du hast mir so gefehlt. Ich weiß nicht, was ich machen soll"
Und Du hast gesagt: "Du KANNST nix machen. Sei doch nicht blöd"
Dann bin ich aufgewacht. Es war Viertel vor Sieben
17.03.18
Das Hotel in B. befand sich in einer alten Villa am Hang. Auf drei Terrassen davor saßen Gäste. Zunächst dachte ich nicht daran, dass dies "Deine" Stadt ist, und ich befürchten muss, Dir zu begegnen. Doch in der untersten Reihe an einem Vierertisch, im Vorbeilaufen glaubte ich dich von hinten bemerkt zu haben. Auf der obersten Stufe überlegte ich, eine Flasche Rotwein zu bestellen.
Es gab eine Eröffnung, die Gäste, Presseleute und Fotografen waren versammelt. Du drehtest Dich um, schautest mir ernst in die Augen und gabst mir die Hand, hieltest meine fest, bis ich sie langsam zurückzog. Im nächsten Moment warst du kleiner, stark geschminkt mit knallroten Lippen und bunt gekleidet. Inzwischen hatte ich den Eindruck, dass Du alleine bist.
Ich irrte durch die Stadt, plötzlich warst du neben mir, bogst aber schon wieder ab: "Hier wohne ich". Zu einem vornehmen wirkenden Bürgerhaus. Als nächstes trugst Du mehrere Kleidungsstücke übereinander, einen dicken Mantel zuoberst. Du sagtest, du müssest nach Biberach. Ich versuchte die Stadt in den losen Seiten meines zerfledderten gelben Autoatlasses zu finden, irgendwo zwischen Ulm und Allgäu, doch es wollte nicht gelingen. Auch eine alte Michelin-Karte zeigte nur ein Biberach in der Schweiz, und ich wusste von einem im Kinzigtal, "aber da willst Du ja nicht hin".
Du erzähltest, Du müssest "zum Putzen", nanntest Orte, auch "Schweden". Ich bekam einen Hustenanfall. Du beugtest Dich zu mir: "Soll ich dir helfen?" Ich wandte mich unwillig ab: "Lass es" - und wachte auf. Der Hustenanfall war echt.
Es war 7 Uhr.