Parabel
"Ich bin alt und häßlich. Und ich kann mein Gesicht nicht ausstehen. Ebenso kostet es mich Überwindung, meine Stimme zu hören. Das ist grauenhaft." (Francis Bacon)

Der : und das ?
Es war einmal ein :
Der machte jahrein jahraus seine Arbeit,
hing sich an unzählige Wörter, um darauf
hinzuweisen, dass nach ihnen noch etwas kommt.
Was, das konnte der : nie genau erkennen -
immer hielt ihn ein Leerzeichen auf Distanz,
oft versperrte noch ein Anführungszeichen unten die Sicht.
Darüber, dass sich alle anderen Satzzeichen von ihm fernhielten,
machte der : sich keine großen Gedanken.
Das wird schon seine Richtigkeit haben, dachte er.
Bis, eines Tages, der : ungewöhnlich nahe ein Satzzeichen vor sich sah.
Ein ? (es könnte zum Beispiel so gewesen sein: :na?).
Bekanntlich jobt der : nebenbei als Augenpaar bei verschiedenen Smileys.
Jetzt konnte er seinen Blick nicht mehr losreißen.
Diese wunderschön geschwungene Linie,
dieser eine Gemeinsamkeit andeutende . darunter...
Es hatte den : voll erwischt. Er wollte unbedingt
näher an das ? kommen, versuchte über das Leerzeichen zu
springen, wünschte diese sinnlosen Buchstaben vor ihm zum Teufel.
Aber das ? war nur irritiert von den Annäherungsversuchen.
Es brachte sich hinter einer Palisade von Wörtern und Satzzeichen,
Gedanken- und Schrägstrichen, Klammern auf und Klammern zu
in Sicherheit.
Der : wusste nicht mehr ein und aus.
Er war, wie der Engländer sagt,
in die Liebe gefallen, und da steckte er jetzt, voll in der Patsche.
Er hatte so viele Fragen, und nirgendwo war ein Zeichen.
Völlig niedergeschlagen lag der : da.
Als .. war er zu gar nichts mehr zu gebrauchen.
Vom ? hörte er noch, es habe sich mit einem ! zusammengetan.
Gemeinsam würden sie etlichen vielsagenden und tiefgründigen
Sätzen besondere Bedeutung verleihen. Da brauche es keinen : mehr.
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